Nachwuchssorgen
"Stell dir vor, du drückst und alle drücken sich" - Ein Szenario, das bald Wirklichkeit werden könnte. Ein Großteil unserer Feuerwehren in Bayern klagt leider über mangelnden Nachwuchs. "Ich kam zur Feuerwehr, weil da früher doch jeder war..." so ein Feuerwehrkamerad bei der letzten Versammlung der FF Mannsgereuth. Doch diese Zeiten sind leider vorbei. Auch die Feuerwehren der VG Redwitz kennen dieses Problem. So hat z.B. die FF Mannsgereuth derzeit nur 20 aktive Feuerwehrmänner. Der jüngste davon (bis auf zwei Kameraden der Jugendfeuerwehr) ist 31 Jahre alt.
Hier wird das Problem deutlich - was an aktiven Feuerwehrmännern heute noch ausreichend erscheint, ergibt in Zukunft ein gravierendes Problem. Die altgedienten Kameraden scheiden aus dem aktiven Dienst aus aber fast keine jungen Kameraden rücken nach. Das oben genannte Szenario wird Wirklichkeit. Es brennt und keiner kommt, oder es kommen nur die größeren Stützpunktfeuerwehren, die aber einen wesentlich längeren Anfahrtsweg haben und somit meist länger zur Einsatzstelle brauchen. Desweiteren können auch diese Feuerwehren meist ihr Potential an Ausrüstung und Fahrzeugen nicht mehr nutzen, da einfach das Personal fehlt.
Was aber sind die Gründe für diese Nachwuchssorgen?
"Wenns brennt kommt die Feuerwehr doch so wie so, auch wenn ich nicht aktiv bei der Feuerwehr dabei bin" - auch diese Aussage bekommen Kommandanten oder Vorstände auf der Suche nach aktiven Feuerwehrleuten immer wieder zu hören.
- Ein Grund für solche Aussagen mag wohl die mangelnde Bereitschaft sein, seine eigene Freizeit für die Allgemeinheit zu opfern. "Bei der Feuerwehr muss ich ja nachts aufstehen wenn die Sirene oder der Piepser geht... - da sollen doch lieber andere ran..." - Belege dafür die Verantwortung einfach weiter zu schieben. Fakt ist, daß ein gewisser Übungsaufwand gefordert wird. Dies aber nicht umsonst - nicht jeder weiß auf Anhieb wie mit einer Rettungsschere oder einem Spreizer ein Mensch nach einem Unfall aus seinem schwer beschädigten Fahrzeug befreit wird, oder wie ein Kaminbrand gelöscht wird, usw... Nur durch Übung ist man für solche Notfälle gerüstet. Die FF Mannsgereuth hält jeden Monat EINE Übung ab (Dauer je nach Umfang 1-3 Stunden) - soviel Zeit sollte jeder für seine Mitmenschen übrig haben.
- Der nächste Grund stellt wohl auch die Arbeitgeber dar. Früher konnten aktive Feuerwehrleute problemlos zum Einsatz. Heute wird schon bei der Einstellung neuer Mitarbeiter nach einem Dienst bei der Feuerwehr gefragt - aber nicht aus Verbundenheit an den freiwilligen Feuerwehrdienst - sondern aus Angst der Mitarbeiter könnte ja die ein oder andere Stunde nicht zur Verfügung stehen. Daß aber genau dieser Mitarbeiter während dieser Zeit meist wegen einer Notsituation eines Mitbürgers gerufen wurde, daß sieht der Arbeitgeber meist nicht. Natürlich gibt es auch hier Ausnahmen - Mitglieder einer Stützpunktfeuerwehr sind sehr häufig, teils auch mehrfach in der Woche unterwegs, aber die große Breite an freiwilligen Feuerwehren hat nicht mehr als 5-8 Einsätze pro Jahr. Hier sind also auch die Arbeitgeber in der Pflicht!
- Desweiteren haben Jugendliche heutzutage immer weniger Zeit. Man schaue sich die verbreiteten Ganztagsschulen an. Die Jugendlichen kommen erst relativ spät nach hause müssen dann noch Hausaufgaben erledigen und für den nächsten Tag lernen. Die meisten sind dann noch in Sportvereinen, in denen auch 1-2 mal pro Woche trainiert wird und 1 mal pro Woche der Wettkampf stattfindet. So hören wir immer wieder den Satz "Da hab ich keine Zeit..." Hier wäre auch ein Umdenken der Eltern wünschenswert. Kein Jugendlicher braucht auf seinen Sportverein zu verzichten, aber wäre es nicht möglich einmal im Monat ein Sporttraining zu Gunsten einer Feuerwehrübung ausfallen zu lassen?
Mit diesem Beitrag möchten wir einen kleinen Anstoß zum Nachdenken geben. Die Tür zur Feuerwehr steht jederzeit für jeden offen. In Mannsgereuth findet jeden ersten Freitag im Monat die Feuerwehrübung statt, zu der jeder recht herzlich eingeladen ist und sich selbst ein Bild von der Arbeit unserer Feuerwehren machen kann.
Natürlich sind wir auch jederzeit per eMail unter This e-mail address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it. erreichbar - Fragen beantworten wir gerne.
Die RedCard
Das Ehrenamt ist in manchen Bereichen zunehmenden und untragbaren Belastungen ausgesetzt. Diese Tatsache zwingt uns, die Feuerwehren, neue Wege zu gehen, um das ehrenamtliche Engagement zu belohnen und attraktiv halten zu können und der Feuerwehrfrau oder dem Feuerwehrmann wenigstens eine kleine Anerkennung für Ihren Einsatz zu verschaffen.
Wir die Feuerwehr
Stellen Sie sich vor, Sie wachen nachts auf und stellen fest, dass Ihr vor dem Haus geparktes Auto brennt. Sie wählen 112, rufen nach der Feuerwehr, laufen auf die Strasse und versuchen, mit einem Eimer Wasser das Feuer zu löschen. Hoffnungslos, die Minuten werden scheinbar zu Stunden, Ihr Auto brennt inzwischen lichterloh, das Vordach Ihres Hauses hat ebenfalls bereits Feuer gefangen, die Polizei trifft ein, ist jedoch chancenlos, das Feuer zu löschen, 15 Minuten sind vergangen - keine Feuerwehr weit und breit - der Dachstuhl brennt, die Hitze lässt die Scheiben platzen, das Feuer "betritt" Ihr Haus ...
